22.05.2019
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Umweltschutz trotz Wachstum: Podiumsdiskussion im Bornheimer Rathaus

Sind städtisches Wachstum und der Umweltschutz miteinander vereinbar? Darüber diskutierten (von links:) Dirk Reder (Bündnis 90/Die Grünen Bornheim), Horst Feige (Naturschutzbund Bonn), Michael Pacyna (Landschaftsschutzverein Vorgebirge), Ludger Reining (städtischer Arbeitskreis Stadtbild), Markus Hochgartz (Bündnis 90/Die Grünen Bornheim) und Gabriele Jahn (Imkerverein Vorgebirge).

Sind städtisches Wachstum und der Umweltschutz miteinander vereinbar? Darüber diskutierten (von links:) Dirk Reder (Bündnis 90/Die Grünen Bornheim), Horst Feige (Naturschutzbund Bonn), Michael Pacyna (Landschaftsschutzverein Vorgebirge), Ludger Reining (städtischer Arbeitskreis Stadtbild), Markus Hochgartz (Bündnis 90/Die Grünen Bornheim) und Gabriele Jahn (Imkerverein Vorgebirge).

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Bornheim -

Für welche Überschrift würden Sie sich entscheiden: „Wechselkröte gefährdet Bebauung“ oder „Bebauung gefährdet Wechselkröte“? Aber gibt es hier nur ein Entweder-Oder? Um die Frage, ob städtisches Wachstum und Umweltschutz überhaupt miteinander vereinbar sind, ging es in einer gut besuchten Podiumsdiskussion im Bornheimer Ratssaal.

„Umweltschutz trotz Wachstum“? war der Titel der Veranstaltung, zu der die Bornheimer Grünen neben interessierten Bürgern auch einige Experten eingeladen hatten. Michael Pacyna, Vorsitzender des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV), hätte die oben zitierte Schlagzeile einer Tageszeitung lieber so gelesen: „Baugebiete gefährden Wechselkröte“. Doch trotz „dramatischer Landschaftsverluste“ spreche sich der LSV nicht grundsätzlich gegen eine Entwicklung aus, so Pacyna weiter. Diese müsse jedoch moderat und „nicht radikal“ geschehen. Statt weiterer Bebauung in freier Landschaft befürwortete er die innerörtliche Bebauung und Schließung von Baulücken.

Heftig kritisierte Pacyna die von CDU, FDP und UWG ins Spiel gebrachte Umgehungsstraße zur Entlastung des Knotenpunktes Roisdorfer Straße/Bahnhof Linie 16: „Alle Parteien im Rat stimmten dafür, außer die Grünen“, erinnerte er. Da die als Provisorium gedachte Straße bis zum endgültigen Umbau des Knotenpunktes durch das Freiraumkonzept „Grünes C“ führt, lehne der LSV diese eindeutig ab. Auch den Druck aus der Region ließ Pacyna nicht gelten: „Niemand kann uns zwingen neue Baugebiete auszuweisen. Der Stadtrat kann dies steuern und wenn gebaut werden soll, fordern wir innerhalb der Grenzen des Flächennutzungsplans (FNP) von 2011 zu bleiben.“

Unterstützung bekam Pacyna von Horst Feige vom Naturschutzbund Bonn (NABU). Er forderte sogar beim FNP Abstriche zugunsten des Umweltschutzes zu machen. Denn mit der Bebauung gehen auch Artensterben und Schadstoffbelastungen durch zunehmenden Verkehr einher. Ausgleichsflächen sah Feige kritisch: „Wertvolle Flächen gehen trotzdem verloren. In den Baugebieten finden Tiere weniger Nistmöglichkeiten und es gibt weniger Bepflanzungen.“ Feige forderte daher die Stadtplaner auf, in den Bebauungsplänen mehr ökologische Schutzstreifen einzurichten.

Dem konnte auch Gabriele Jahn, Vorsitzende des 2015 gegründeten Imkervereins Vorgebirge, nur beipflichten, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Es sei zwar schon einiges geschehen, etwa durch die Anlage von Streuobstwiese. Doch es gäbe noch mehr Möglichkeiten: Blühstreifen an Feldrändern und Fahrradwegen, Dach- oder Fassadenbegrünungen und Schulgärten beispielsweise.

Ludger Reining vom städtischen „Arbeitskreis Stadtbild“ der „Lokalen Agenda“ erinnerte daran, dass das Vorgebirge bis in die 20er Jahre hinein noch als Obstgarten der Städte Köln und Bonn galt. Davon seit nicht mehr viel übrig geblieben. Auch er forderte, in Bebauungsplänen mehr grüne Freiflächen auszuweisen.

Bei der anschließenden Diskussion erntete der Beitrag von Norbert Brauner großen Applaus bei den Teilnehmern. Brauner ist Vize-Vorsitzender des LSV und Vorsitzender der CDU Roisdorf und plädierte dafür, das Thema parteiübergreifend anzugehen. So sei er zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Es sei aber auch „eine gewisse Sättigung erreicht“: „Natur- und Landschaftsschutz, aber auch unsere Heimat bleiben zurück. Wir müssen neu nachdenken und dürfen uns nicht von dem Druck von außen drängen lassen. Wir sind ein Magnet zwischen Köln und Bonn, aber wir können nicht alle Probleme lösen und unseren ländlichen Charakter aufgeben“. „Wir brauchen keine Glyphosat-Streifen, sondern Blühstreifen entlang der Felder und Radwege“, forderte ein anderer Teilnehmer. Zu Wort meldete sich auch der ehemalige Leiter der Bornheimer Europaschule, Christoph Becker. Er verwies auf den ursprünglichen Grundgedanken der Lokalen Agenda: „Global denken, lokal handeln“: „Wir müssen in einem größeren Zusammenhang denken, wir brauchen neue Mobilitäts- und Energiekonzepte und wir müssen in die Schulen gehen. Die Schüler wieder mehr für das Vorgebirge begeistern und sie motivieren dieses zu schützen.“ Becker brachte auch die Idee einer „klimaneutralen Stadt Bornheim“ ins Spiel.

Die Podiumsdiskussion zum Thema „Umweltschutz trotz Wachstum“ fand im Rahmen einer lockeren Folge von Informations- und Diskussionsveranstaltungen der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus Bornheim im Rathaus statt. Bei den Bürgern kommen die brisanten Themen offenbar gut an: War der Ratssaal im Frühjahr bereits bestens gefüllt, als es um die „drohende Megacity“ Bornheim ging, kamen auch diesmal wieder mehr als 50 Bürger, um sich zu informieren und mit den Experten zu diskutieren. Eingebettet ist das Ganze in die Vision „Bornheim 2030“. Die Ausführungen von Fachleuten und die Sorgen und Anregungen der Bürger werden ausgewertet und fließen in das Wahlprogramm der Grünen für die Kommunalwahlen 2020 ein, erläuterten Sprecher Dirk Reder und der stv. Fraktionsvorsitzende Markus Hochgartz.


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