19.06.2019
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Beethovenjubiläum 2020: Jubiläumsgeburtstag kommt mit großen Schritten

Gabriele Uelsberg, die Chefin des LVR-Museums, guckt - nein, nicht in die Röhre - sondern in das Kaleidoskop bunter Vielfalt zum Beethoven-Geburtstagsjahr.

Gabriele Uelsberg, die Chefin des LVR-Museums, guckt - nein, nicht in die Röhre - sondern in das Kaleidoskop bunter Vielfalt zum Beethoven-Geburtstagsjahr.

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Bonn -

(we) Eulen nach Athen zu tragen, verbietet sich von selbst. Gilt doch die griechische Hauptstadt als Wiege der Weisheit. Allerdings: Beethoven nach Bonn zu tragen, macht vergleichsweise viel Sinn. Ist der Komponist zwar hier geboren – das bedeutet aber noch nicht, dass jeder weiß, wer er eigentlich war. Um eben das zu zeigen, haben sich Bonns Museen zusammengetan. Sie wollen einen bunten Strauß verschiedener Farben des Großmeisters zum Leuchten bringen.

Das Beethoven-Jubel-Geburtstagsjahr wird deshalb auch von Seiten diverser Ausstellungen Glanz verbreiten. Vielleicht eröffnet sich dem ein oder anderen ja erst mit den Ausstellungen der Zugang zu dem oft als etwas sperrig beschriebenen Noten-Fürsten.

Es kann kaum einer dem Ausstellungsmarathon entgehen: Das LVR-Museum eröffnet den Reigen der Häuser, die Beethoven zeigen wollen. Die Bundeskunsthalle ist dabei, das Kunstmuseum, das Haus der Geschichte, das Beethoven-Haus, das Stadtmuseum, der Kunstverein Bonn, das Frauenmuseum und das Macke-Haus. Wem das noch nicht reicht, findet bestimmt bei anderen Gelegenheiten die Möglichkeit, sich dem Meister des Klangs zu nähern.

Ab November 2019 bis zum September 2020 zeigt das LVR-Museum die Ausstellung mit dem an sich wenig originellen Titel „Music“. Was sonst? möchte man fragen. Die Macher haben sich aber etwas dabei gedacht, als sie mit internationaler Beteiligung einen Beethoven zum Mitmachen kreierten. Man will verdeutlichen, dass und wie Musik zum Menschen gehört wie Essen und Trinken. „Es gibt keine Kultur auf der Welt, die ohne Musik auskommt“, weiß dazu Gabriele Uelsberg, die Chefin des LVR-Museums. Recht hat sie. Und so kommt Beethoven im Gewand unterschiedlicher Kojen daher. Dort kann man sein eigenes Video drehen, Musik machen, ein Orchester nachempfinden und überhaupt: Alles tun, was einem zum Thema Musik einfällt. Das Ganze nota bene nicht abstrakt und theoretisch, sondern nahezu kindgerecht praktisch. So, dass jeder weiß, was er an Musik im Allgemeinen und an Beethoven im Besonderen hat.

Ein Portrait Beethovens versucht die Bundeskunsthalle. Mit dem Titel „Welt. Bürger. Musik“ zeigt sie von Dezember 2019 bis Ende April 2020 250 Exponate, die den Menschen Beethoven versinnbildlichen sollen. Das Ganze soll ein historischer Rückblick sein, der Vergleiche zum Heute ermöglicht. Das Kunstmuseum hat einen abstrakten Ansatz gewählt. Hier geht es um „Sound and Silence“ von Anfang Juni bis Ende September 2020. Vor allem das Thema „Stille“ hat es den Ausstellungsmachern angetan. Dass Beethoven taub war, ist Anlass dafür, zu untersuchen, wie Stille auf Musik wirkt. Das geht doch nicht? Na ja, Sie werden staunen, welche Ideen zeitgenössische Künstler zum Thema Ruhe entwickeln.

„Hits und Hymnen“ haben die Ausstellungsmacher des Hauses der Geschichte ihr Konzept genannt. Es untersucht die politische Bedeutung von Musik, deren sozialen Impact. Hier sollten zumindest alle End-68-er genau hinschauen. Sie fühlen sich in aus ihrer Sicht bessere Zeiten versetzt.

Das Beethoven-Haus in seiner Neugestaltung ist immer interessant für Beethoven-Adepten. Das gilt natürlich besonders im Festival-Jahr. Hier trifft der Begriff „Kaleidoskop“ wirklich die Vielfalt der Aktivitäten, an denen der Besucher teilhaben kann. Das Stadtmuseum zeigt von Anfang April 2020 bis Ende Juli 2020 Bonns goldenes Zeitalter. Das sind die Lebensumstände Beethovens an der Schwelle zu einer neuen Zeit voller Unruhe und Veränderungen. Hinzu kommt ein

Vergleich zu den japanischen Mangas, einer Kunstform, die weit über die Comics hinausgeht. Der Kunstverein zeigt einen soeben in Produktion befindlichen Film von Jeremy Deller eigens zum Geburtstag Beethovens. Das Frauenmuseum ist von Januar 2020 bis Ende 2020 mit Beethoven und dessen Frauen, Kolleginnen beschäftigt. Und das Macke-Haus kommt Beethoven mit „Orpheus - Traum und Mythos“ in der modernen Kunst auf die geheimnisvolle Spur.

Ein prall gefüllter Korb also, das ist das, was Bonns Museen dank der Förderung durch die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft bietet. Deren Geschäftsführer Ralf Birkner spricht daher zu Recht von dem „partizipatorischen Ansatz“ seiner Firma. Der besteht eben darin, von Jung bis Alt, vom Kulturbanausen bis zum Bildungsbürger, niemanden auszunehmen von der Feier zu Beethovens 250. Bei soviel Kultur kann man da nur ausrufen: Herzlichen Glückwunsch!