19.05.2019
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Oper 2020: Neuer Spielplan mit etlichen Premieren und Experimenten

Viel Gehirnschmalz haben vlnr. Dirk Kaftan, Bernhard Helmich und Jens Groß in die neue Spielzeit investiert.

Viel Gehirnschmalz haben vlnr. Dirk Kaftan, Bernhard Helmich und Jens Groß in die neue Spielzeit investiert.

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Bonn -

(we) Der Spielplan des Theaters Bonn für die neue Saison 2019/20 – das ist die Spielzeit mit den Feierlichkeiten zu Beethovens 250. Geburtstag –verspricht eine ambitionierte Neuinterpretation vieler bekannter Stoffe. Interessant dürfte auch die Kooperation mit Kulturschaffenden außerhalb der städtischen Bühnen sein. Hier ist eine Belebung der Szene zu erhoffen. Der Vorverkauf für das neue Programm startet am 25. Mai, Abonnenten können ab 18. Mai reservieren.

Generalintendant Bernhard Helmich präsentierte das Programm gemeinsam mit Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und Schauspieldirektor Jens Groß. Acht Opernpremieren und eine neue Musicalproduktion stehen allein im Opernhaus bevor. Das Schauspiel glänzt mit 15 Premieren und insgesamt fünf Uraufführungen. Nicht zu vergessen die Kooperationen mit Contra-Kreis und dem Jungen Theater Bonn.

Insgesamt kommt es den Theatermachern darauf an, dem Publikum neue Sichtweisen zu erschließen. Die zum Teil bewährten Stoffe erhalten ihre Aktualität durch soziale Bezüge, die teilweise bislang im Verborgenen lagen. Die inneren Konflikte der Akteure bleiben menschlich, sind aber von wechselnden Rollenbildern geprägt. Frauen zum Beispiel spielen unserer Zeit entsprechend eine große Rolle, sei es inhaltlich oder per Inszenierung, also durch die Regie, die im Schauspiel zur Hälfte von Frauen wahrgenommen wird.

Ein Highlight auf der Opernbühne dürfte die West Side Story sein. Das Musical kommt am 15. September zum ersten Mal zur Aufführung. Das Beethoven-Jubeljahr 2020 startet mit einer prominenten Neuinszenierung des Fidelio, Beethovens einziger Oper. Auch dabei darf man auf neue Bezüge und ungewöhnliche Denkansätze gespannt sein. Auf diese Produktion folgt mit „ein Brief“ ein Stück von Manfred Trojahn, das zusammen mit Beethovens Oratorium „Christus am Ölberge“ von Reinhild Hoffmann inszeniert wird.

Der Tod in Venedig, die Oper von Benjamin Britten, ein Monsterstück mit zig unterschiedlichen Singrollen, steht ebenso auf dem Programmzettel wie Figaros Hochzeit und die Fledermaus.

Das Schauspiel steht den hohen Ambitionen des Opernhauses in nichts nach. Offenbar ermutigt durch den grandiosen Erfolg der Vorsaison, hat Schauspieldirektor Jens Groß einen Mix aus Klassikern und neueren Stücken gewagt. Die berühmte „Minna von Barnhelm“ ein Lustspiel von Lessing, steht ebenso da wie „Die Installation der Angst“ von Rui Zink. Kleist ist genauso dabei („Die Marquise von O.“) wie Moliere mit dem eingebildeten Kranken, Bergmann mit den Szenen einer Ehe oder auch König Lear.

Bei den Klassikern ist es ein bewusstes Anliegen des Hauses, die Inhalte in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Die Problemlagen werden zeitgemäß ins Heute übertragen. Das wird sicher Anlass für viele interessante Gespräche im Foyer sein.

Wie das Opern- und das Schauspielhaus selbst sind auch die Werkstattbühne und das Foyer des Schauspielhauses in den Spielplan eingebunden und Teil der Gesamtinszenierung. Das ebenfalls geplante „Clockwork Orange“ kommt aus rechtlichen Gründen nicht zur Aufführung. Dies, weil die Agentur gewechselt hat und so rasch keine zielführende Verständigung mit dem Rechtevermarkter möglich war. Aber dafür gibt es mit ähnlichem Anspruch beispielsweise „Die Installation der Angst“, eine rabenschwarze Parabel auf Ängste und Unsicherheiten in einer sich rasend schnell wandelnden Welt.

Alles Weitere steht im Netz unter www.theater-bonn.de. Ach ja, ein Theaterfest wie im Vorjahr wird es 2019 nicht geben. Dafür zeigen in Beuel am 21. September die Theater-Werkstätten, was sie zu bieten haben.