26.03.2019
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Neujahrsempfang des Kreises: Thema Pflege im Mittelpunkt

Interessante Runde auf dem Podium im Kreishaus (v.l.): Johannes Klockenbrink, Dr. Frauke Hartung (verdeckt), Franzi Udelhofen, Hermann Gemke, Michael Treutler und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Interessante Runde auf dem Podium im Kreishaus (v.l.): Johannes Klockenbrink, Dr. Frauke Hartung (verdeckt), Franzi Udelhofen, Hermann Gemke, Michael Treutler und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

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Torsten Beulen

Kreis Euskirchen -

Pflege - irgendwann kommt dieses Thema auf jeden zu. Entweder, weil man selbst Pflege benötigt! Oder aber, weil jemand aus dem persönlichen Umfeld auf pflegerische Hilfe angewiesen ist. Landrat Günter Rosenke hat „Die Zukunft der Pflege im Kreis Euskirchen“ in diesem Jahr zum Kernthema seines Neujahrsempfangs gemacht.

Klingt nach einer drögen Veranstaltung! Doch das war der 25. Neujahrsempfang des Kreises Euskirchen ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Um das Thema Pflege in all seinen Facetten beleuchten zu können, hatte Rosenke nicht nur mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann einen ausgewiesenen Experten und brillanten Gastredner nach Euskirchen eingeladen, auch die Zusammenstellung der Diskussionsrunde war gut gewählt.

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Landrat Günter Rosenke und seine Gattin Karin mussten zu Beginn des Neujahrsempfangs zahlreiche Hände schütteln - hier die des Weilerswister Kreistagsabgeordneten Hans-Josef Engels.

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Torsten Beulen

Neben Minister Laumann nahmen die in der Ausbildung zur Altenpflegerin befindliche Franzi Udelhofen, der examinierte Altenpfleger Johannes Klockenbrink, der pflegende Angehörige Michael Treutler, die Oberin der DRK-Schwesternschaft Bonn, Dr. Frauke Hartung, und Hermann Gemke, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Mechernich, auf dem Podium Platz.

In seiner Begrüßungsansprache wusste Rosenke den rund 350 geladenen Gästen zu berichten, dass es in NRW derzeit etwa 770.000 pflegebedürftige Menschen gibt, darunter mehrere tausend im Kreis Euskirchen. Tendenz steigend! Um auch in Zukunft den Bedarf an Pflegeplätzen abzudecken, müssten, so der Landrat, „mehr Alten- und Pflegeheime gebaut werden“. Noch wichtiger sei aber, dass auch mehr Pflegefachkräfte ausgebildet werden. Denn: „Was nützt das schönste Zimmer, wenn niemand da ist, der sich um ältere Menschen kümmert und sich Zeit für sie nimmt.“

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Zwei, die sich offenbar verstehen: Landrat Günter Rosenke (l.) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

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Torsten Beulen

Rosenke sprach sich deshalb für eine kreiseigene Pflegeschule aus. Solch eine Einrichtung sei ein weiterer wichtiger Baustein, um die Ausbildung für den Pflegeberuf im Kreis Euskirchen attraktiver zu gestalten. Zwar gebe es im Kreis Euskirchen bereits hervorragende Ausbildungsträger in den Pflegeberufen, doch „wir müssen insgesamt unsere Kapazitäten ausbauen, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen.“

Ob eine derartige Pflegeschule im Kreis Euskirchen sinnvoll sei, wolle er an dieser Stelle nicht sagen, erklärte NRW-Gesundheitsminister Laumann anschließend. Fakt sei aber, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreis in den kommenden 30 bis 35 Jahren jährlich um 150 bis 180 steigen werde. „Das bedeutet, dass wir jedes Jahr 70 bis 80 zusätzliche Pflegekräfte brauchen“, so Laumann. Deshalb sei es wichtig, dass jeder, der einen Pflegeberuf erlernen wolle, auch einen Ausbildungsplatz erhalte.

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Im Beisein zahlreicher Fotografen trug sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ins Goldene Buch des Kreises Euskirchen ein.

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Torsten Beulen

„Wir müssen die Pflege dahin bringen, wo die betroffenen Menschen sie haben wollen“, sagte Laumann weiter. Deshalb sei er froh, dass die Pflegeversicherung das Geld bereitstelle, die Menschen aber selbst entscheiden könnten, ob sie ambulant, stationär, teilstationär oder von Angehörigen gepflegt werden möchten. Vor allem für letzteren Fall gab es von Laumann am Ende seines launigen Vortrags dann noch einen Tipp: „Es macht großen Sinn, so zu leben, dass es, wenn man alt ist, noch ein paar Menschen gibt, die einen mögen.“

Bei der anschließenden, von Sebastian Tittelbach moderierten Podiumsdiskussion, sprach sich Laumann vehement für die Schaffung einer Pflegekammer als Interessensvertretung für alle Menschen aus, die in Pflegeberufen tätig sind. Mit rund 1,3 Millionen Mitgliedern, einer noch nie da gewesenen Größe einer Berufsvertretung, könne diese maßgeblich Einfluss auf bundespolitische Themen nehmen und so die Anliegen dieses Berufsstandes und die Anliegen der Pflegeempfänger bestmöglich vertreten.

Landrat Günter Rosenke konnte rund 350 Gäste zum Neujahrsempfang im Kreishaus begrüßen.

Landrat Günter Rosenke konnte rund 350 Gäste zum Neujahrsempfang im Kreishaus begrüßen.

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Möglicherweise würden sich damit auch die Arbeitsbedingungen für Franzi Udelhofen und Johannes Klockenbrink verbessern. Beide - das wurde im Interview deutlich - üben ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. „Man bekommt von den Menschen unheimlich viel zurück“, berichtete die 19 Jahre alte Auszubildende. Deshalb sei es schade, dass der Pflegeberuf in den Medien häufig zu negativ dargestellt werde. Klockenbrink kritisierte vor allem die enge Taktung seines Jobs. Mitunter habe er nur etwa fünf Minuten Zeit für einen Besuch. „Manchmal bleibe ich aber länger“, gestand er, „denn häufig ist das der einzige Kontakt für diese Menschen.“

Sehr bewegend war, was Michael Treutler aus seinem Alltag als pflegender Angehöriger zu berichten hatte, dessen Frau an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist. Seit fünf Jahren pflegt er sie - und zwar rund um die Uhr. Vor allem nachts, wenn er seine Frau wegen der Druckstellen und der Schmerzen umlagern müsse, komme er schon mal an die Grenze der Belastbarkeit. Um diese fortwährende Belastung überhaupt aushalten zu können, gönnt sich der pensionierte Bundeswehrsoldat zweimal im Jahr eine zweiwöchige Auszeit. Sofern dies möglich ist, denn, so Treutler, „es herrscht ein großer Mangel an Plätzen in der Kurzzeitpflege.“

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NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hielt einen launigen Vortrag zum Thema Pflege beim Neujahrsempfang des Kreises Euskirchen.

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Dr. Frauke Hartung warb ausdrücklich für den Pflegeberuf. „Der Beruf ist anspruchsvoll, aber auch vielfältig“, so die Oberin der DRK-Schwesternschaft Bonn, die auch in Euskirchen ausbildet. Wichtig seien eine sehr ausgeprägte soziale Kompetenz und die Bereitschaft in Beziehung zu gehen.

Sehr zu Freude von Gesundheitsminister Laumann kündigte Hartung an, die Zahl der Ausbildungsplätze um ein Drittel zu erhöhen. Das versprach auch Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Hermann Gemke: „Wir können zeitnah von 75 auf 110 erhöhen.“

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Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang diesmal vom Jungen Chor „Feel the Spirit“. 

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Torsten Beulen

Bevor sich die Gäste mit den Köstlichkeiten der Eifeler Landfrauen stärken konnten, oblag Landrat Günter Rosenke das Schlusswort eines aufschlussreichen Abends, der musikalisch vom Jungen Chor „Feel the Spirit“ umrahmt wurde. „Mein Respekt für die Menschen, die den Pflegeberuf ausüben ist noch weiter gestiegen. Hier wird eine unglaubliche wertvolle Arbeit geleistet“, sagte Rosenke und kündigte an, in Kürze einen Tag als Pfleger arbeiten zu wollen.