19.04.2019
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Ausstellung im Erholungshaus: „So viel Bauhaus hier“ – Bauhäusler im Westen

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Oskar Schlemmer: Entwurf für ein Lackkabinett,  Aquarell/Zeichnung und Gouache auf Karton. 

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Von der Heydt-Museum, Wuppertal

Leverkusen -

Bayer Kultur blickt mit der dritten Ausstellung der Spielzeit 2018/19 zurück auf den großen Aufbruch der Moderne in der Zeit der Weimarer Republik sowie die existenziellen Brüche in vielen Künstlerbiografien nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Diese Brüche galten auch für zahlreiche Künstler am „Bauhaus“, dessen Geschichte sich parallel zu der der ersten deutschen Republik vollzog: Es wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und 1933 durch die Nationalsozialisten in Berlin geschlossen. In den 14 Jahren seines Bestehens lehrten viele der wichtigsten Künstler der Moderne an dieser legendären Schule für Gestaltung. Etliche von ihnen konnten nach 1933 ihre Arbeit im Ausland fortsetzen, aber wie ging es denjenigen, die in Deutschland geblieben sind? Die Ausstellung „So viel Bauhaus hier“ im Erholungshaus in Leverkusen nimmt mit Georg Muche und Oskar Schlemmer vom 14. April bis zum 30. Juni exemplarisch zwei „Bauhaus“-Meister der Weimarer Zeit in den Blick, die in Nordrhein-Westfalen Arbeits- und Lebensmöglichkeiten fanden.

Bauhäusler im Westen
Georg Muche übernahm 1938 den Lehrstuhl von Johannes Itten an der Textilfachschule in Krefeld und konnte während des Krieges einige ehemalige „Bauhaus“-Studierende dorthin holen. Trotz der schwierigen Zeit boten eine aufgeschlossene Textilindustrie und die Ausbildungsstätten den Gestaltern zahlreiche Wirkungsmöglichkeiten. Seinen langjährigen Kollegen am Bauhaus, Oskar Schlemmer, traf Muche in Wuppertal wieder, wo der Lackfabrikant Dr. Kurt Herberts ungeachtet der nationalsozialistischen  Diffamierung Aufträge an Avantgardekünstler vergab und den „Wuppertaler Arbeitskreis“ gründete.

„Wuppertaler Arbeitskreis“
Es ist der Vermittlung des Architekten Heinz Rasch zu verdanken, dass ab 1937 in der Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts & Co. in Wuppertal Künstler mit vielfältigen Arbeiten beauftragt wurden. Der Kontakt zu den aus den Lehrämtern entlassenen Professoren Willi Baumeister und Oskar Schlemmer wurde über den ehemaligen Bauleiter auf dem Stuttgarter Weißenhof, Franz Krause, hergestellt.

Oskar Schlemmer hatte sich nach seiner Entlassung zurückgezogen und war gezwungen, Maleraufträge anzunehmen. Insofern war die Berufung zum „Professor für maltechnische Forschungsvorhaben“ in Herberts Lackfabrik zum einen eine materielle Entlastung für ihn. Zum anderen ergaben sich durch die Zusammenarbeit mit anderen Avantgardekünstlern Impulse für seine kreative Arbeit. Mit den Krefelder Kollegen stand Schlemmer im persönlichen Austausch, sodass er nach einem Treffen an seine Frau schrieb: „So viel Bauhaus hier und alles brauchbare Leute“.

1940 richtete Herberts in einem Bürogebäude am Wuppertaler Döppersberg das „Institut für Malstoffkunde“ ein – inklusive Atelier- und Arbeitsräume. Der Auftrag an die Künstler des „Wuppertaler Arbeitskreises“ lautete, die künstlerische Anwendbarkeit der Herberts´schen Industrielacke zu untersuchen. Die Ausstellung im Erholungshaus zeigt aus dieser „Versuchsreihe“ Schlemmers Entwürfe für Lackobjekte, ein „Lackkabinett“ und zwei „Fensterbilder“ – die letzte Werkreihe vor seinem frühen Tod 1943.

Der „Wuppertaler Arbeitskreises“ publizierte auch eine Schriftenreihe zur Geschichte der Malerei, die mit der Vorbereitung der Publikation „Modulation und Patina“ einen letzten Höhepunkt fand. Dafür wurden eine Vielzahl von abstrakten Versuchstafeln von Baumeister, Krause und Schlemmer angefertigt: Dem Malmaterial sollte eine mitschaffende, dem Maler fast gleichberechtigte Komponente zugewiesen werden.

Erst um 1941 gelangten die zeitgleich entstandenen Arbeiten der Pariser Surrealisten den Künstlern zur Kenntnis, sodass unabhängig voneinander Überlegungen angestellt wurden, die später das „Informel“ prägten. Baumeister verband die maltechnischen Versuche mit seiner künstlerischen Arbeit und setzte diese nach 1945 in einem wegweisenden Spätwerk fort. Er gehörte zu den wichtigsten Vertretern der Abstraktion der 1950er-Jahre.

Muches Lehrtätigkeit in Krefeld beeinflusste viele Studierende, von denen Heinz Trökes und Rudolf Schoofs wichtige Vertreter des „Informel“ wurden. Schoofs kehrte Anfang der 1960er-Jahre als Lehrer der Werkkunstschule nach Wuppertal zurück.

Informationen

Die Ausstellung „So viel Bauhaus hier – Bauhäusler im Westen“ ist bis zum 30. Juni 2019 im Erholungshaus Leverkusen, Nobelstraße 37,  zu sehen. Der Eintritt ist frei, Informationen unter . 

Finissage

  • 30. Juni, 11.30 Uhr
  • Einführung Dr. Karin Thönnissen zum Thema „Georg Muche. Ein Bauhauskünstler in Krefeld“

Öffnungszeiten

  • Samstags, sonntags und feiertags: 11 bis 17 Uhr
  • sowie eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn