19.06.2019
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Konsumieren will gelernt sein: 1.150 Rechtsberatungen in der Verbraucherzentrale

Elisabeth Schoemakers, Beraterin der Verbraucherzentrale bei Geld- und Kreditproblemen, warnt dringend davor, sich bei Inkassobüros auf Zahlungen einzulassen.

Elisabeth Schoemakers, Beraterin der Verbraucherzentrale bei Geld- und Kreditproblemen, warnt dringend davor, sich bei Inkassobüros auf Zahlungen einzulassen.

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Gabi Knops-Feiler

Leverkusen -

Einige Jahre, nachdem die Verbraucherzentrale den verbindlichen Bestellknopf im Internet durchgesetzt hatte, herrschte Ruhe am Markt. Inzwischen lassen sich dreiste Gauner immer wieder neue Tricks und Maschen einfallen, um Menschen abzuzocken.

Dazu gehört neuerdings das Versprechen einer Kreditkarte oder gar eines Sofortkredits. Wer eine entsprechende Leistung erwartet, wird schnell enttäuscht und stattdessen von einem Inkassobüro unter Drohungen zur Zahlung gedrängt. Elisabeth Schoemakers, Beraterin der Leverkusener Verbraucherberatung bei Geld- und Kreditproblemen, warnt dringend davor, sich auf Zahlungen einzulassen, ohne zuvor die Verbraucherberatung einzuschalten.

„Wir können in der Regel helfen“, verdeutlichte die Fachfrau, „obwohl Agenturen im Ausland oft nur schwer auszumachen sind“. Wer es dennoch auf eigene Faust versuchen möchte, findet entsprechende Vordrucke auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Auf gar keinen Fall sollte man sich durch Vollstreckungsdrohungen verunsichern lassen, wiederholte Schoemakers.

Dieser Rat gilt besonders für geflüchtete Menschen. Denn dieser Personenkreis zählt gemeinsam mit Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund zu denjenigen, die besonders häufig in die Fallstricke von unlauteren Geschäftemachern geraten.

„Im Verbraucheralltag sind sie die perfekten Opfer“, erläuterte Bernhard Pilch, Leiter der Beratungsstelle, als er gemeinsam mit seinen Kollegen den Jahresbericht vorstellte. „Konsumieren will eben gelernt sein“, betonte Pilch deshalb.

Für etwa 6.000 Verbraucher diente die Verbraucherzentrale Leverkusen im Vorjahr als Anlaufstelle bei Fragen und Problemen. Mit rund 1.150 Rechtsberatungen und -Vertretungen konnten sich die Mitarbeiter zugunsten der Ratsuchenden einsetzen.

Zum Beispiel auch, wenn es um Probleme mit Telekommunikationsanbietern ging, dem von Pilch bezeichneten „dicksten Brocken“ in der Beratungsstelle. Entweder gab es nicht nachvollziehbare Posten in der Rechnung, oder die tatsächliche Leistung und Geschwindigkeit des Internetanschlusses stimmten nicht mit den Versprechen des Kundenberaters überein. Bei Kontrollen in diversen Läden stellte sich heraus, dass viele solcher Telekommunikationsshops ihrer gesetzlichen Informationspflicht nicht nachkommen. Deshalb fordern die Verbraucherzentralen zum Schutz der Kunden ein 14-tägiges Widerrufsrecht bei komplexen Vertragskonstellationen.

Auch in der Vergangenheit konnten Verbraucherzentralen gemeinsam mit den Verbrauchern schon zahlreiche Gesetzeslücken schließen. Die Einführung eines Bestellbuttons – siehe oben – ist nur ein Beispiel.