20.05.2019
Die Wochenzeitungen im Rheinland - die meisten svazhie Nachrichten, Sortierung nach Datum

Faktor A - Business Talk: „Calli“ holt ganz weit aus

Business Talk im Christlichen Jugenddorf: (v.r.) Moderatorin Kati Ulrich im Gespräch mit Rainer Imkamp von der Bundesagentur für Arbeit und Reiner Calmund.

Business Talk im Christlichen Jugenddorf: (v.r.) Moderatorin Kati Ulrich im Gespräch mit Rainer Imkamp von der Bundesagentur für Arbeit und Reiner Calmund.

Foto:

Lars Kindermann

Bachem -

(lk) Merke: Wer Reiner „Calli“ Calmund für einen Impulsvortrag bucht, der braucht kein Improvisationstheater, um die Gäste aufzulockern.

Die Agentur für Arbeit Brühl hatte ins Christliche Jugenddorf nach Bachem zum „Business Talk – Faktor A“ eingeladen und den ehemaligen Fußballfunktionär und TV-Fußballexperten Reiner Calmund für einen Impulsvortrag zu den Themen „Braunkohleabbau in der Region“ und „mit Energie in die Zukunft“ gewonnen.

Und der schwergewichtige Entertainer holte dafür weit aus: Unterhaltsam und emotional berichtete er von seiner Kindheit, dem frühen Tod seines Vaters und dem Aufwachsen in Brühl und Frechen. Zum Gedenken an seinen – in der Fremdenlegion gefallenen Vater – hatte er sich als kleiner Junge einen weißen Anzug „wie Papa“ gewünscht.

Calmund: „Ein weißer Anzug in unserer Region? Den musste meine Mutter manchmal dreimal waschen. Je nachdem wie der Wind stand, war der durch den Kohlestaub schwarz, bevor er von der Wäscheleine kam.“

Die in Verruf geratene Braunkohle sei ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Wirtschaftswunders gewesen und habe in der Region viele Arbeitsplätze geschaffen.

Eine eigene RWE-Karriere als Ingenieur war Calmund nicht vergönnt. „Beim Einstellungstest zur Ausbildung zum Elektriker stellte sich heraus, dass ich Farbenblind bin“, erinnerte sich der Gastredner. Sein Ausblick in die wirtschaftliche Zukunft der Region fiel auch nicht sehr farbenfroh aus: „Die Zukunft hat bereits begonnen, Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, da können wir uns nicht verweigern. Während in der Politik über 5 G gesprochen wird, haben wir noch nicht mal flächendeckend Handyempfang. Auf der Fahrt hierher habe ich ein Telefoninterview gegeben. Dabei ist die Verbindung zwölfmal abgebrochen. Sowas darf es nicht geben!“Die gelungene Mischung aus Charme, Witz, Ernsthaftigkeit und Empörung lockerte das Publikum aus Wirtschaft und Politik mehr auf, als der bemühte Einstieg in den Business Talk durch zwei Impro-Künstler.

Auch im anschließenden Podiumsgespräch mit Ralf Sterck, Chef der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, Landrat Michael Kreuzberg, Christian Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW und Rainer Imkamp von der Agentur für Arbeit, brachte sich Calmund immer wieder ein.

Ziel der Veranstaltung war es, die durch den anstehenden Strukturwandel entstehenden Möglichkeiten herauszuarbeiten, damit frühzeitig die richtigen Maßnahmen zur erfolgreichen Transformation der Region ergriffen werden können. „Wenn das gelingt, dann kann die Transformation gelingen“, ist die Agentur für Arbeit überzeugt.