22.05.2019
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Mange frei!: Die Macher des Divertissementchen im Gespräch mit Blattgold

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Foto:

Divertissementchen / Blattgold, Anja Schimanke

Köln -

30.000 Menschen haben 2017 das "Divertissementchen" gefeiert. Auch wir waren wieder dabei und haben viel gelacht über den Kölner Männer-Gesang-Verein. Nicht alle sind da als Frauen verkleidet, nur die Hälfte, die anderen sind Männer.

Das Stück hieß „Circus Colonia“. Lajos Wenzel ist der Regisseur und Theo Rüben hat den Zirkusdirektor gespielt. Sie haben uns in der Schreibwerkstatt besucht.

Blattgold: Hallo Lajos, du warst zum ersten Mal Regisseur beim Divertissementchen. Wie ist es dir gelungen?

Lajos Wenzel: Beim ersten Mal will man es besonders schön machen und zeigen, was man sich alles überlegt hat. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und erleichtert, dass es gut geklappt hat: Alle hatten Spaß. Die Leute waren begeistert, die Kritiken toll. Wie hat es euch denn gefallen?


Die Generalprobe war sehr schön. Uns hat der Zirkusdirektor gefallen.

Theo Rüben: Ich wollte eigentlich eine Pause beim Divertissementchen einlegen und hatte mich auf einen ruhigen Winter eingestellt. Aber dann rief mich Lajos sechs Tage vor Probenbeginn an: ‚Der Zirkusdirektor ist ausgefallen. Könntest Du die Rolle übernehmen?‘

Lajos Wenzel: Ich hatte Theo schon im Kopf, als ich das Stück geschrieben habe. Und Theo war eine tolle Besetzung für den Zirkusdirektor. So eine kölsche Gemütlichkeit und Willen zu guter Laune, auch wenn die Welt drumherum gerade untergeht.

Theo Rüben: Die Rolle hat mir so gut gefallen, da musste ich mitmachen. Meine Kinder haben mich zwar für verrückt erklärt, aber das ist nichts Neues.

(alle lachen) 

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Foto:

Divertissementchen / Blattgold, Anja Schimanke


Wie lernt man so viel Text auswendig? Das stellen wir uns schwierig vor.

Theo Rüben: Jeder lernt den Text anders. Bei mir findet das nur im Kopf statt. Ich lese den Text wieder und wieder und wenn die Proben losgehen, fließt er hoffentlich heraus.


Habt ihr Lampenfieber?

Theo Rüben: Ein bisschen Lampenfieber braucht man, sonst ist man nicht konzentriert genug. Bei manchen bleibt es für immer. Bei mir hat es im Laufe der Zeit abgenommen.

Lajos Wenzel: Ich bin gegen Ende der Proben schrecklich aufgeregt. Ich habe immer Horrorszenarien im Kopf. Meine Frau erdet mich dann. 


Theo, hast Du schon einmal eine Frau gespielt?

Theo Rüben: Ja.


Wie fühlst du dich, wenn du eine Frau spielen musst?

Theo Rüben: Gut. Ich denke dann an Zuhause, an meine Frau und meine beiden Töchter und stelle mir vor, wie die das jetzt machen würden und dann klappt das schon.

Lajos Wenzel: Das Interessante beim Divertissementchen ist, dass die Männer zwar Frauen spielen, aber eben wie Kerle und man nimmt ihnen trotzdem ab, dass sie Frauen sind.

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Divertissementchen / Blattgold, Anja Schimanke


Wie viele seid ihr?

Theo Rüben: Knapp 100 Mitglieder mit dem Ballett.


Und welche Aufgaben hat ein Regisseur?

Theo Rüben: Er kostet Nerven!

(alle lachen)

Lajos Wenzel: Im besten Fall schafft ein Regisseur die Ideen und Bilder, die er im Kopf hat, auf die Bühne zu bringen. Meine Aufgabe ist es, alle zu motivieren, ihr Bestes zu geben – Schauspiel, Musik, Choreographie, Kostümbild, Requisite. Ich versuche es so zu machen, dass nachher alles so ist wie ich will, aber jeder denkt, er macht, wie er will. Ähnlich geht es mir bei der Gartenarbeit: Ich habe eine Idee, wie es später aussehen soll, besorge tolle Pflanzen, gieße, rupfe Falsches aus und lasse die Pflanze dann in Ruhe – und vertraue. Ich darf nicht an den Pflanzen ziehen, sonst gedeihen sie nicht.


Wenn Theo eine Pflanze wäre, welche wäre das?

Lajos Wenzel: Theo ist eine prächtige, spezielle Pflanze und sehr anspruchsvoll. Er hat seinen eigenen Kopf. Wenn man ihm das Richtige gibt, dann ist er der Star.


Was hat Lajos besonders gut gemacht?

Theo Rüben: Lajos hat das Stück selbst geschrieben, ist ganz anders dran gegangen als die beiden anderen Regisseure. Mein erster Regisseur war ein Regent. Er war sehr streng. Bei ihm hatte ich keine künstlerische Freiheit. Das Positive daran: Man lernt Disziplin. Der zweite war lockerer und ich konnte machen, was ich wollte. Was nicht immer gut war, denn nicht alles, was ich mir einfallen lasse, ist gut. Lajos ist eine gute Mischung aus beiden.


Ralf Fassbender: Wenn ich oder der Jochen bei euch mitmachen möchten, was müssen wir können?

Lajos Wenzel: Jeder kann bei uns mitmachen, der ein Mann ist und die Aufnahmeprüfung in die Gesangschule schafft. Man sollte Kölsch können. Ein ganz wichtiger Auftrag des Kölner Männer Gesangverein ist das kölsche Brauchtum, die kölsche Sprache, die kölsche Musik, …


Warum singst du gerne?

Theo Rüben: Aus Spaß an der Freude. Wenn man viel probt und am Ende dabei etwas Tolles herauskommt, mit dem man auch anderen noch eine Freude macht, ist das was Schönes!

Und was war der schönste Moment?

Theo Rüben: Der schönste Moment war, als endlich der letzte Vorhang fiel – Scherz! Der schönste Moment war der Applaus nach der Premiere.

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Schreibwerkstatt Blattgold

Das Interview führten Ralf Fassbender, Norbert Fuchs, Angelika Quill, Jessica Reinhard, Jochen Rodenkirchen, Isabel Schatton und Edrees Temmori unter der Leitung der Journalistin Anja Schimanke.

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Divertissementchen / Blattgold, Anja Schimanke

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