19.05.2019
Die Wochenzeitungen im Rheinland - die meisten svazhie Nachrichten, Sortierung nach Datum

Messer von Karl-Heinz Ott: Es sind alles Unikate, die er nicht verkauft

Neuer Inhalt

Karl-Heinz Ott. 

Foto:

Woiciech

Lohmar -

 „Es ist das älteste Werkzeug der Menschheit. Schon der Neandertaler lernte mit einem Flintstein umzugehen, um das Fell von einem Tier zu trennen.“

Wenn es um das Thema Messer geht, kann keiner dem Lohmarer Karl-Heinz Ott etwas vormachen. Seine Faszination für Klingen geht bis in die Kindheit zurück.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges fand er in den zerbombten Häusern von Frankfurt sein erstes Messer. Dieses ging allerdings dann in den darauf folgenden Jahren verloren.
Heute ist Karl-Heinz Ott, der als Ingenieur bei Ford gearbeitet hat, im Ruhestand und stellt nun Messer selber her.

Neuer Inhalt

Messer-Unikate. 

Foto:

Woiciech

„Für mich ist ein Messer ein Schneidwerkzeug. Damit kann man schnitzen, einen Faden abschneiden und sogar die Fingernägel machen.“ Ferner ist es für die Nahrungsaufnahme unersetzlich. „Wenn meine Familie zum Frühstücken kommt, liegen auf dem Tisch nur Messer, die ich angefertigt habe.“
Rund 60 Unikate sind in den letzten Jahren entstanden, darunter auch ein Brieföffner. In den seltensten Fällen entwirft Karl-Heinz Ott eine Skizze, sondern überlässt es einfach der Spontanität beim Herstellungsprozess.

„Man muss schon 30 bis 40 Stunden für ein Exemplar einplanen.“ Als der Lohmarer noch gearbeitet hat, war wenig Zeit für das Hobby, da werkelte er nur mal am Wochenende. Jetzt kann er sich voll auf diese Tätigkeit konzentrieren. Die handwerklichen Fertigkeiten, die für diesen außergewöhnlichen Zeitvertreib notwendig sind, ließen sich bereits in der Lehre als KFZ-Schlosser erahnen. „Das Hauptwerkzeug sind meine Hände.“
Die Rohklingen bestellt er im Fachhandel, oder verwendet schon mal alte Bestecke. Den Schaft bastelt er aus diversen Holzsorten, von Ebenholz bis Bongossi, oder aus Tierknochen.
So entstehen aus ganz unterschiedlichen Materialien kleine Kunstwerke.

Alte Serviettenringe aus Silber zieren den Griff, genauso wie kleine Holzplättchen, die Schrauben oder Dorne verbergen. Sogar die Klingen heben sich durch einen eigenen Stil ab. Entweder bringt der pulvermetallurgische Stahl eine eigene Musterung mit, oder bekommt diese durch verschiedene Lagen, wie beim geschmiedeten Damast. „Die Technik wurde früher angewandt, damit der Stahl gleichermaßen hart und elastisch blieb. Durch mehrere Lagen von weichem Stahl verringert sich die Chance des Durchbrechens, zum Beispiel beim Schwertkampf.“

Mit einem Diamantschleifer, wie ihn ein Zahnarzt nutzt, versieht Karl-Heinz Ott manche seiner Werke mit weiteren Dekors.

Oftmals fallen bei den Arbeiten Reste an, und diese werden zu kleinen Schmuckstücken, die er bereitwillig verschenkt. Eines der beeindruckenden Ergebnisse sind die Miniaturmesser, die auf einer Handfläche genügend Platz finden. „Nur weil die kleiner sind, heißt das nicht, dass es automatisch weniger Arbeit ist.“

Neuer Inhalt

Mniatur-Messer

Foto:

Woiciech

Darüber hinaus gestaltet er außerdem die passenden Scheiden. Auch hier unterscheidet sich jedes einzelne Exemplar, ob aus Holz mit Polstern, beziehungsweise aus reinem Leder, zusätzlich so ausgekleidet, dass das Messer wie angegossen im Futteral sitzt.
Stets lässt er sich mit Freude von den „Profis“ inspirieren, wie etwa auf der Messe in Solingen, ebenso auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg. „Dort hat mir der Schmied eine Klinge gefertigt, der ich anschließend einen mittelalterlichen Stil verlieh.“
Alle seine Messer besitzen eine eigene Geschichte, oder stehen mit persönlichen Ereignissen in Verbindung, so dass er sich ungern von einem trennt. „Ich verkaufe die Messer nicht, und wenn, dann ist der Preis sehr hoch. Im Ausnahmefall schaffe ich eventuell ein zweites.“

Mit einem seiner frühen Exponate hat es eine besondere Bewandtnis. Bei einem Familienausflug zu Silvester im Saarland, fand er einen Rinderknochen, den er für einen Griff verwendete. „Knochen kann man gut vergraben und warten, bis das Fett weg ist. Danach hat man ein sehr schönes Stück Rohmaterial.“ Auch die natürliche Struktur und Marmorierung von Holz und Knochen fasziniert ihn immer wieder.
Mit Vergnügen experimentiert er an neuen Ideen. „Ich versuche allen Messern einen besonderen Touch zu verleihen, zum Beispiel färbe ich manche Materialien für den Griff mit schwarzem Tee.“
Oft verspürt Karl-Heinz Ott Verwunderung, wenn Menschen von seinem Hobby hören. „Man muss es nicht mögen, aber es ist schön, wenn jemand das Besondere daran erkennt und die Vielfalt im Entstehungsprozess wahrnimmt. Schneiden können sie alle.“

Die Faszination für das „Messer“ ist weltweit verbreitet. „Die Besten, die professionell Messer machen, besitzen ganz normale Berufe, wie Ärzte oder Anwälte. Diese Profis sind dann auf den Messen, rund um den Erdball, anzutreffen.“
 


www.surrogacycmc.com

http://a-diplomus.com

сиалис фото