26.03.2019
Die Wochenzeitungen im Rheinland - die meisten svazhie Nachrichten, Sortierung nach Datum

Einblick ins Innere der A1-Rheinbrücke: Risse machen Ersatz erforderlich

Neuer Inhalt

Die alte Leverkusener A1-Rheinbrücke muss vorerst noch einige Jahre durchhalten.

Foto:

Gabi Knops-Feiler

Leverkusen/Köln -

Viele tausend Menschen überqueren täglich in ihren Fahrzeugen die A1-Rheinbrücke. Sie gilt als eines der zentralen Verkehrsbauwerke in der Region Köln-Leverkusen und als wichtiger Knotenpunkt im europäischen Fernstraßennetz. Doch nur wenige wissen, wie es unter der defekten Verkehrsachse aussieht.

„Die Brücke könnte mir eigentlich egal sein, denn ich bin Fußgänger, Bus- und Bahnfahrer“, sagt Lothar Müller, einer der ausgewählten Besucher, die sich zuletzt im Inneren der Rheinbrücke umsehen durften. „Aber“, ergänzt der Metall- und Maschinenbauer aus Rheinland-Pfalz, „ich interessiere mich dennoch dafür“. Weil er jeden Tag von Burscheid bis Dormagen über die Brücke fährt, will Ingenieur Sämer Cetinkaya sie nun auch mal „von unten betrachten“. Aus Bergisch Gladbach ist Wolfgang Ditscheid mit Sohn Jakob gekommen, weil er „neugierig auf Konstruktion und Schäden“ ist. 

Die alte Rheinbrücke der A1 muss noch halten

Eingangs erläutert Projektleiter Thomas Raithel einige Details und sagt, man hoffe, bald mit dem Neubau beginnen zu können. Bis eine neue Rheinquerung entstanden ist, muss die alte noch halten.

Neuer Inhalt

So sieht es im Brückeninneren aus. Auf dem Trittgitter (rechts) können Besucher bequem gehen. 

Foto:

Gabi Knops-Feiler

Sollte tatsächlich eine neue Brücke gebaut werden, die erste Hälfte fertig sein und der Verkehr darüber geleitet werden, ist nach aktuellem Stand geplant, die marode Brücke abzureißen. Eine neue Rheinquerung ist bis jetzt noch Teil des seit Jahren laufenden Ausbaus des Kölner Autobahnrings. In einem weiteren Abschnitt sollen laut Straßen.NRW der Neubau der A1 in östlicher Richtung sowie der Neubau der A3 zwischen Leverkusen-Zentrum und Opladen inklusive Neugestaltung des Leverkusener Autobahnkreuzes folgen. Die Gesamtkosten für den Brückenbau betragen voraussichtlich mehr als 400 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist frühestens für 2023 angedacht. Bis dahin wird notdürftig repariert.


Ehe Hans-Dieter Jungmann von der Bauüberwachung Straßen.NRW mit der eigentlichen Führung startet, erklärt er den Zuhörern, dass die meist befahrene Brücke Europas in den 1960er Jahren für eine tägliche Belastung mit 40.000 Fahrzeugen geplant und gebaut worden war. Aber um Geld zu sparen habe man seinerzeit viel zu dünne Stahlplatten verwendet. Und im Jahr 2011 erstaunt festgestellt, dass „der Stahl an seinem Lebensende angekommen ist“.

 

Neuer Inhalt

Eine der gerissenen Stahlplatten, denn beim Brückenbau wurde teilweise minderwertiges Material benutzt.

Foto:

Gabi Knops-Feiler


Es war Mitte des Jahres 2014, als der Landesbetrieb Straßenbau.NRW Risse in acht Seilkammern bemerkte. Seilkammern sind wesentliche Bauteile der Brücke, in ihnen sind sämtliche Seile verankert, die von den zwei mächtigen Pylonen herunterreichen. Bei den Schäden handelte es sich um einen neuen Typus von Rissen. Daher bestand die Gefahr eines reißverschlussartigen Versagens der Schweißnähte. Würde das passieren, könnten die Seilkräfte nicht mehr aufgenommen werden und die Standsicherheit des Bauwerks wäre ernsthaft gefährdet, hieß es damals.


Also musste dringend eine Gewichtsreduktion her, um weitere Schäden zu vermeiden. Zum einen wurde ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen erlassen. Trotz des erhöhten Bußgeldes ignorierten viele Lkw-Fahrer die Einschränkung. Als nächster Schritt wurde eine Sperranlage installiert. Damit soll es für den Schwerlastverkehr nicht mehr möglich sein, die Brücke zu benutzen. Doch besonders dreiste Lkw-Fahrer durchbrechen selbst diese Schranken.


Politiker informierten sich vor Ort

Über Treppen und Leitern gelangen die Besucher bei der Führung schließlich ins Zentrum der Brücke, wo die meisten über die geringe Geräuschkulisse staunten. Das taten vor ihnen auch schon Politiker wie Peer Steinbrück, ehemaliger stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, oder Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der das marode Bauwerk in Begleitung von Ex-Landesverkehrsminister Michael Groschek besichtigte.

Neuer Inhalt

Brückenbau-Ingenieur Hans-Dieter Jungmann von Straßen.NRW weist mit einer Taschenlampe auf diverse Schäden hin.

Foto:

Gabi Knops-Feiler


„Das liegt daran, dass ausschließlich Pkw über uns hinweg fahren“, erläutert Jungmann. An den hellen Stellen, sagt er und weist auf unzählige Schweißstellen an Haupt- und Querträgern hin, seien die Risse schon saniert worden. Er erklärt, man habe so genannte Dehnmessstreifen installiert, um genaue Belastungen ermitteln und Brückenprüfungen auslösen zu können.
Die Besucher klettern in das Rückgrat der Brücke und auf einen Brückenpfeiler, der den Blick unter die Brücke und auf den Rhein ermöglicht, aber nur gebaut wurde, damit die Brücke nicht abhebt und in dem Windlager das Aufschaukeln verhindern.


„Die Schäden sind schlimmer, als ich befürchtet habe“, stellt Lothar Müller nach nahezu zweistündigem Rundgang fest. „Es ist sicher nicht leicht, die vielen kleine Risse sofort zu sehen“, staunt Sämer Cetinkaya. „Ich bin beeindruckt und verstehe jetzt besser, woran es liegt“, urteilt Wolfgang Ditscheid. Sohn Jakob dürfte im Kindergarten viel zu erzählen haben.


 


pills24.com.ua

www.steroid-pharm.com

buy Eriacta online without prescription