22.05.2019
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Im geheimen Depot: Blick hinter die Kulissen des LVR Landesmuseums

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Harald Weller

Bonn -

Es muss schlimm sein: Man hat eine Unmenge an geschichtsträchtigen Gegenständen und sakralen Ausgrabungsgegenständen, aber man kann sie niemals alle zeigen. Im Depot des LVR-Museums Bonn lagern Steine und Metalle, die allesamt Geschichte(n) erzählen. Die Lage des Depots ist übrigens geheim. Wagen Sie mit Schaufenster und Blickpunkt einen exklusiven Einblick.

Hoyer von Prittwitz, Archäologe und Herr über kilometerlange Gänge mit Steinen rechts und Metallen links, oben drüber und unten drunter, nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Wo wir sind, verrät auch er nicht. Mit einem Lächeln im Gesicht zitiert er dazu Grönemeyer: „Tief im Westen."

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Hoyer von Prittwitz und seine Entdeckung, der Augustuskopf.

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Harald Weller

Als Erstes fällt ein Wohnzimmerschrank ins Auge. Gelsenkirchener Barock. „Sowas will heute keiner mehr haben", sagt Hoyer von Prittwitz. „Eher schon das hier", weist er auf ein Regal gegenüber. „Das ist ein Sekretär aus der Zeit von Maria Theresia." Der ist hier gut aufgehoben. Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind auf die alten Gegenstände eingeregelt. 45 Prozent Luftfeuchte für Steine, 33 Prozent für Metalle. Wenn‘s sein muss, können die Gegenstände hier noch einige hundert Jahre liegen, ohne Schaden zu nehmen. „Da einzige, was Kummer machen könnte, ist Schimmel."

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Sekretär aus der Zeit von Maria Theresia.

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Harald Weller

In diesem Depot lagern Gegenstände, die schon 1820, dem Gründungsjahr des LVR-Museums, im Depot waren. Und natürlich alles, was danach gefunden und dem LVR-Museum übergeben worden ist. Das ist zum Beispiel all das, was bei Grabungen gefunden wurde. Alles ist inventarisiert. Alles? „Es kann schon mal sein, dass Gegenstände hier Hunderte von Jahren liegen, ohne dass einer sie bemerkt", erzählt Hoyer von Prittwitz. „So wie der hier." Er zeigt die Plastik eines Hinterkopfs. Die ist aus Stein. „Ägyptischer Stein. Aus dem Hammamed-Wadi." Nachdem er ihn entdeckt hatte, bemühte man sich etliche Zeit, ihn zu identifizieren. Um es kurz zu machen: Der Hinterkopf zeigt Kaiser Augustus. Stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. War nicht inventarisiert. Und wäre vermutlich noch für Äonen hier unerkannt geblieben, hätte der Archäologe ihn nicht entdeckt. „Den hatte vermutlich irgendein Verwalter auf seinem Schreibtisch stehen", meint Hoyer von Prittwitz.

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Harald Weller

Da, eine Menge an steinernen, pardon, tönernen Schüsseln. „1. Jahrtausend vor Christus", erklärt der Fachmann. „Halt ruhig mal. Aber nicht am Henkel, die gehen gern ab." Man weiß das Alter einzuschätzen, weil das Gefäß innen keine Spuren einer Drehscheibe aufweist. Die kamen nämlich erst mit den Römern.

Hier, der Sarkophag ist aber klein. Für kleine Menschen? „Nee, die Leichen wurden verbrannt. Dann mit allen Beigaben und der Asche beerdigt. Deshalb die geringe Größe des Sarges."

Hochregale hier, Rollregale dort. Inventarisiert ist noch längst nicht alles. Zwei Archäologen sind hier beschäftigt. Dann ein Raum, in dem ordentlich hintereinander Tausende von Scherben aufgereiht sind. Was ist das? „Der Bearbeitungsraum. Hier wird gesichtet und bearbeitet." Ein Alptraum? Also wer immer schon Spaß am Puzzeln hatte...

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Harald Weller

Und dann: Die Gänge. Endlos. Keine Angst so allein? „Ne, hier heult kein Wolf. Und die Gegenstände tun einem ja nichts." „Und keine Bange: Hinterm Horizont geht‘s weiter." Das wusste schon Udo Lindenberg. Wenn man glaubt, die Gänge hören auf, geht es immer noch weiter.

„Das Rheinland war Durchgangsstation. Deshalb gibt es hier unendlich viele Funde aus der Römerzeit", so Hoyer von Prittwitz. Und je findiger der Archäologe, umso bunter die Geschichten, die solche Steine erzählen. „Eine Kollegin hat mal einen Scherbenhaufen zusammengesetzt. Und dabei festgestellt, dass im Legionslager zu Bonn Glas hergestellt worden ist."

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Harald Weller

Ok, dann verabschieden wir uns standesgemäß auf Latein und grüßen all die Horizonte, die hinter den Doppeltüren des Depots noch ihrer Entdeckung harren: „Salve." Oder, wie wär‘s mit Vergil: „Discite iustitiam moniti et non temnere divos." Soll wohl ein Ratschlag fürs Leben sein und heißen: „Seid gewarnt, lernt recht zu tun und die Götter zu achten." Dem kann man einfach nicht widersprechen. Auf Wiedersehen ihr Römer im Depot des LVR-Landesmuseums.

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