19.05.2019
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Oase der Gesundheit: Ein Blick hinter die Kulissen einer modernen Apotheke

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Die für Jedermann sichtbaren Medikamente in den Regalen sind verschwunden. Über Displays werden inzwischen die Medikamente nur noch angezeigt.

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Zierden

Sankt Augustin -

Es ist kühl und dunkel, doch der Roboter weiß genau, wo er hin muss. Er erreicht sein Ziel und prompt erfasst er das geforderte Medikament. Per Knopfdruck holt er das, was der Apotheker braucht. Der Kunde sieht nur, wie seine Packung in die Ablage fällt. Dies gehört in der Rathaus-Apotheke in Sankt Augustin zum gewöhnlichen Ablauf. Die Medikamente in den Regalen für Jedermann sichtbar sind verschwunden. „Wir sehen nicht mehr aus wie eine herkömmliche Apotheke", sagt Apotheker Florian Wehrenpfennig.

Über Displays werden zwischenzeitlich noch Medikamente in Regalen angezeigt und auch die Arbeit des Roboters kann per Video verfolgt werden. Dabei stellt der Apothekenleiter ganz klar: „Wir haben die ganze Technik hier verbaut, damit mehr Zeit für die Kunden bleibt". Früher erhielt der Apotheker ein Rezept und sei erst einmal weg gewesen. „Wir können immer bei den Menschen bleiben und der Kontakt reißt nicht ab". Wie lange also der Apothekenbesuch dauert, liegt von dieser Seite aus gesehen beim Kunden selbst.

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Der Roboter liefert innerhalb von fünf Sekunden das Medikament.

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Derartige Minihochregallager inklusive Roboter gibt es seit 20 Jahren. Rund 3.000 Apotheken greifen darauf zurück. In der Apotheke im Huma-Einkaufspark liefert der Roboter innerhalb von fünf Sekunden das Medikament. Bisher sei er noch nicht an seine Kapazität gekommen. Über zwei Mulden können die Medikamente automatisch eingelagert werden. Entwickelt wurde das Regalsystem von dem Unternehmen Rowa aus der Eifel, welches seit zwei Jahren zu Becton Dickinson gehört. Der Kommissionierer hat eine integrierte Kühlung und ist hier 3,50 Meter hoch und sieben Meter lang bei einer Breite von 1,60 Meter. Der Rowa Vmax, so die Bezeichnung, kann über 20.000 Medikamente lagern.

Neben dem Herzstück der Apotheke ist Platz für einen weiteren Lagerraum, einen Mehrzweckraum für die Mitarbeiter inklusive Küche und Bett für den Notdienst sowie das Büro des Apothekenleiters.

Durch den Neubau des Huma-Einkaufsparks konnte Wehrenpfennig sich auf 260 Quadratmetern ganz neu und „aufgrund der ganzen Technik sehr effektiv" aufstellen. Alle Räume wurden optimiert. Der Apotheker und sein Team sind begeistert, und finden, dass dies „dem Architekt gut gelungen" sei.

2016 zählte die Rathaus-Apotheke zu einem von 300 Objekten beim „Tag der Architektur". Auf diese Auszeichnung folgte die Nächste: eine Präsentation in der „Deutsche ApothekerZeitung". Für die Sankt Augustiner Apotheke ein „Ritterschlag". Seither melden sich auch Kollegen aus der Branche, die sich vor Ort alles anschauen möchten.

Dabei geht es nicht nur um den Verkaufsbereich, den die Kunden sehen, sondern auch um die Technik, die dahintersteckt. Die Beratungsplätze sind mit Scheiben voneinander getrennt, sodass die Diskretion gewährleistet ist. Am Platz selbst sind Touch-Screens integriert, sodass der Apotheker dem Kunden nicht nur das Medikamentenregal bildlich zeigen, sondern seine Erklärungen mit Videos darstellen kann. Die gleichen Videos und alles, was erklärungswürdig ist, etwa der Gebrauch von Asthmasprays, zeigen auch weitere Touch-Screens in der Apotheke an. Videos lassen sich auf das eigene Smartphone senden.

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Blick durch die Mulde in das Medikamentenlager.

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„Zu jedem erklärungsbedürftigen Medikament sind Infos hinterlegt", sagt Wehrenpfennig. Weitere digitale Inhalte folgen. „Ich denke, es wird sich extrem entwickeln". Dabei seien dies die ersten Schritte in die richtige Richtung. „Wenn alles fertig ist, werden die Menschen begeistert sein", ist der 53-Jährige überzeugt.

Die Displays zum Selbstausprobieren bieten die Informationen in rund 30 Sprachen. Neben Gesundheitschecks und internationalen Themen finden sich diverse Medikamente wieder. „Es ist nicht einmalig, aber das gibt es noch nicht so oft", sagt Wehrenpfennig.

Hinter den Kulissen neben dem Roboter liegt das Labor. In diesem Raum können die Apotheker verschiedene Kapseln selbst herstellen. Gerade für die Kinderklinik sei die individuelle Rezeptur wichtig.

Doch nicht nur erkrankte Menschen sind in der Apotheke willkommen. Im Präventionsbereich „wollen wir ein kompetenter und gesunder Partner sein mit allen Möglichkeiten".

Nah am Menschen und ihren Sorgen sei die Situation, um ihnen Lösungen bieten zu können. „Das ist die Vision, die mich bis 2017 getragen hat", erklärt Wehrenpfennig. 1994 übernahm er die Apotheke von seiner Mutter. Das war noch im „alten" Huma-Einkaufspark. Dort arbeitete er mit fünf Mitarbeitern auf 170 Quadratmetern. Bis heute ist sein Team auf 20 Mitarbeiter gewachsen. Die Umbauzeit sei für alle eine harte Belastung gewesen. Für ihn gehörte das unternehmerische Risiko dazu, aber das neue Ladenlokal „macht sehr viel Spaß, um neue Dinge zu kreieren und umzusetzen". Demnach entschied er sich für die Digitalisierung.

Am Anfang sei dies für die Kunden etwas ungewohnt gewesen, aber im Vordergrund steht die Fokussierung auf das Wesentliche - in diesem Fall: der Mensch.

„Menschliche Wärme tut besonders gut bei Krankheit" und der persönliche Kontakt ist es, worum es geht. In der heutigen Zeit mit Smartphone und Internet hätten es die Apotheken vor Ort nicht leicht. Daher geht es in der Rathaus-Apotheke schließlich nicht nur um Krankheit sondern auch um die Gesundheit. Besonderer Vorteil der digitalen Verarbeitung ist zudem eine schnelle Lieferfähigkeit des Online-Sortiments - stündlich wird die Apotheke beliefert.


www.ka4alka-ua.com

www.medicaments-24.net

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