22.05.2019
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Orgelbau Schulte : Ein bergisches Handwerks-Unternehmen im Wandel der Zeit

Knapp 30 Jahre hat Firmengründer Siegfried Schulte erfolgreich Orgelbau Schulte geleitet, bevor er 2006 seinem Sohn Oliver die Firmenleitung übergab.

Knapp 30 Jahre hat Firmengründer Siegfried Schulte erfolgreich Orgelbau Schulte geleitet, bevor er 2006 seinem Sohn Oliver die Firmenleitung übergab.

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Wisskirchen

Kürten -

Der Orgelbau ist ein Kunsthandwerk mit einer Jahrhunderte alten Tradition. Gerade der deutsche Orgelbau ist in der ganzen Welt bekannt für erstklassige handwerkliche Arbeit, verbunden mit einer unvergleichlichen Klangvielfalt und -schönheit. Viele sehr alte Orgeln wurden schon im Mittelalter von berühmten deutschen Orgelbauern auch für das Ausland konstruiert, wie die Kaiserorgel im Prager Dom, die 1561 fertiggestellt wurde, oder die Orgeln in St. Petri in Petersburg und im Dom von Helsinki. Das bergische Unternehmen Orgelbau Schulte, mit Sitz in Bechen-Cliev, ist eines der renommierten der heutigen Zeit und ist auch international als Spezialist im Orgelbau anerkannt.

„Innovativ sein - sei es in Sachen Design, Materialwahl oder bei der grundlegenden Konzepterstellung, das ist mein Ziel. Wir sind glücklich und stolz, dass unsere Orgel in St. Petri, Dortmund, für den German Design Award 2018 nominiert wurde,“ freut sich Oliver Schulte über diese Auszeichnung..

„Innovativ sein - sei es in Sachen Design, Materialwahl oder bei der grundlegenden Konzepterstellung, das ist mein Ziel. Wir sind glücklich und stolz, dass unsere Orgel in St. Petri, Dortmund, für den German Design Award 2018 nominiert wurde,“ freut sich Oliver Schulte über diese Auszeichnung..

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Orgelbau Schulte

25 Jahre war Siegfried Schulte bei einer Kölner Orgelbaufirma beschäftigt und an bundesweiten, wie auch internationalen Großprojekten beteiligt. Teils maßgeblich arbeitete Siegfried Schulte an Orgeln für Hamburg, Nürnberg, Osaka oder Lissabon, bevor er sich 1978 in Bechen-Herweg selbständig machte. Als Werkstatt diente der am damaligen Wohnhaus angebaute ehemalige Kuhstall. Hier startete er mit viel Improvisationstalent und ließ seine neue Idee, die Wandschmuckorgel, patentieren: „Ich wollte eine Orgel für Jedermann entwickeln, insbesondere Privatkunden. Meine Idee der an Wänden montierten und funktionsfähigen Orgelpfeifen habe ich vor allem bei exklusiven Hausorgeln verwirklicht.“ Doch noch im gleichen Jahr bot sich eine Alternative. Mit dem Bau seiner ersten größeren Kirchenorgel in St. Apollinaris, Dabringhausen-Grunewald, Ende 1978 überzeugte Schulte mit der Qualität seiner Arbeit. Es folgten weitere Aufträge und schon 1979 bezog er seine erste Werkstatt in Odenthal-Scheuren.

Knapp 30-jähriges Wachstum der Firma und ein Generationswechsel

In den folgenden Jahren erfährt die Firma ein stetiges Wachstum. Orgel um Orgel wird gebaut, Orgelbau Siegfried Schulte wächst zur festen Größe im Bergischen Land und das Renommee steigt mit jedem Neubau. Neben dem Neubau von über 30 Orgeln, dem Bau kleinerer Truhenorgeln, Teilneubauten, Neuinterpretationen, Erweiterungen, gehören auch die Restaurierung historischer Instrumente und Umbau/Restrukturierung bestehender Instrumente sowie Wartung und Pflege zum Leistungsspektrum von Orgelbau Schulte.

Abbau einer Walker-Orgel in Cambridge aus dem Jahr 1852 für die evangelische Kirchengemeinde St. Crucis in Bad Sooden-Allendorf. Bis Mitte 2018 wird mit der größten Orgel ihrer Art auf europäischem Festland ein weiterer Meilenstein in der Opusliste von Orgelbau Schulte gefertigt.

Abbau einer Walker-Orgel in Cambridge aus dem Jahr 1852 für die evangelische Kirchengemeinde St. Crucis in Bad Sooden-Allendorf. Bis Mitte 2018 wird mit der größten Orgel ihrer Art auf europäischem Festland ein weiterer Meilenstein in der Opusliste von Orgelbau Schulte gefertigt.

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Orgelbau Schulte

Schon vor längerer Zeit hatte sich Oliver, Siegfried Schultes Sohn, entschieden in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und den Betrieb zu übernehmen. Nach Abschluss des Abiturs und des Zivildienstes begann er 1997 seine Lehre im väterlichen Betrieb. Dies war Anlass für Siegfried Schulte, die mittlerweile zu klein gewordenen Arbeitsräume in Bechen aufzugeben und im gleichen Jahr eine eigene Werkstätte im Gewerbegebiet Cliev in Herweg zu errichten. Nach der Ausbildung zum Orgel-und Harmoniumbauer gewann Oliver Schulte in 2001 wertvolle Einblicke in die Theorie und Praxis der Restaurierung historischer Instrumente bei der Firma Vier im Schwarzwald, die vor allem in restauratorischen Belangen hoch angesehenen ist. Nach erfolgreicher Meisterprüfung und der beruflichen Fortbildung zum Geprüften Betriebswirt HWK ist Oliver Schulte seit Anfang 2006 Inhaber des Unternehmens.

Strukturwandel im Orgelbau

Ab dem Jahr 1998 Jahren bekommt die gesamte Orgelbaubranche die Sparmaßnahmen der Kirche, auf die knapp 70 Prozent des Auftragsvolumens entfallen, immer heftiger zu spüren. Bis heute sind durch den Strukturwandel im deutschen Orgelbau zwei Drittel des Neubaugeschäftes weggebrochen. „Trotzdem gelang uns, was vielen Orgelbaufirmen schon seit längerer Zeit verwehrt blieb, jedes Jahr ein Neubau, 2003 sogar die in Fachkreisen gelobte Restaurierung einer der ersten Klais-Orgeln in Bonn. Erst 2008 stürzte uns ein geplatzter, bereits im Bau befindlicher Großauftrag in eine schwere Krise. Mangels Perspektive orientierten sich alle unsere Mitarbeiter neu. Umstrukturiert haben wir das Unternehmen für die geänderten Ansprüche der Zukunft gewappnet,“ beschreibt Oliver Schulte die Auswirkungen der Krise auf seine Firma.

Restrukturierung, ein neues Geschäftsfeld

Ein neues Projekt aus dem Jahr 2007 brachte den Anstoß für die Wende, die Wiederverwendung einer historischen Orgel des englischen Orgelbauers James Jepson Binns von 1907. Die alte Orgel wurde für die Heilig-Kreuz-Kirche im Ortsteil Limperich in Bonn von Schulte in England demontiert, komplett restauriert und erweitert.

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Gemeinsam mit dem Auftraggeber aus St. Petri, Dortmund, hat Oliver Schulte die Radcliff & Sagar-Orgel in Woodkirk besichtigt, bevor er sie mit seinem vierköpfigen Team demontierte

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Orgelbau Schulte

„Was mit einer alten Orgel begann, traf bundesweit einen Nerv, die Restrukturierung. Wir freuten uns über einen großen Auftrag, aber dessen Bedeutung und die Auswirkungen auf unsere Zukunft wurde mir, ehrlich gesagt, erst im Laufe des Projektes langsam klar. Die Restrukturierung der größten historischen Orgel der englisch-romantischen Epoche hat nicht nur einen neuen Schwerpunkt definiert, sondern auch den Namen Schulte mit einem Schlag bundesweit ins Gespräch gebracht,“ so Oliver Schulte.
Während der Arbeiten in Limperich knüpfte Oliver Schulte in England erste wichtige Kontakte und arbeitete intensiv auf unterschiedlichen Kanälen an einem eigenen Netzwerk im Vereinigten Königreich. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Unternehmen in die bis dahin noch eher unbekannte Welt der englischen Orgel eingearbeitet und sich mit der Restaurierung der historischen amerikanischen Steere & Turner-Orgel von 1869 für die Gemeinde St. Maternus in Köln-Rodenkirchen international, bis in die USA, als Spezialist in dem neuen Geschäftsfeld etabliert.

Die positiven Auswirkungen der Krise

Innovativ ist Orgelbau Schulte nicht nur in Sachen Design, Materialwahl oder bei der grundlegenden Konzepterstellung. Zu einer Säule des Betriebes wurde laut Oliver Schulte die Nutzung der sozialen Medien: „Facebook ist unsere Kommuni-
kationsplattform in die internationale Orgelwelt. 5000 Kontakte zu Orgelsachverständigen und -begeisterten in aller Welt eröffnen uns neue Horizonte. Mittlerweile können wir aus einem reichhaltigen Bestand von rund 30 bis 40 gebrauchten Instrumenten aus England schöpfen, hinzu kommen noch die USA.“

Orgel- und Harmoniumbauer Oliver Schulte bei der handwerklichen Arbeit.

Orgel- und Harmoniumbauer Oliver Schulte bei der handwerklichen Arbeit.

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Orgelbau Schulte

So kann Schulte heute den schweren Zeiten etwas Gutes abgewinnen, neue Wege sorgten für internationale Anerkennung als Spezialist im Umgang mit anglo-amerikanische Instrumenten einerseits und zeitgenössischen Orgeldesigns andererseits.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Nominierung zum German Design Award 2018 der Schulte-Orgel in St. Petri, Dortmund.
 


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