20.05.2019
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Fernsehen übers Internet: Möglichkeiten und Limitierungen

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/terovesalainen

Das Fernsehbild muss nicht mehr zwingend über Antenne, Kabel und Satellit kommen. Das Internet hat auch hier in den vergangenen Jahren enorme Sprünge vollzogen, die es ermöglichen, seine Serien, Filme und Co. auch via Netz zu beziehen. Allerdings muss man vor allem als Neu-Nutzer teils gehörig umdenken.

Dreh- und Angelpunkt Streaming

Wenn man vom Fernsehen übers Internet spricht, kommt man um einen Begriff nicht herum, Streaming. 
Dieser englische Begriff, der, würde man ihn direkt übersetzen, einfach nur „Strömung“ bedeutet, ist zum geworden.

Kurz erklärt:
Streaming bedeutet, dass Daten dauerhaft übertragen werden, wobei es möglich ist, alles, was bereits übertragen wurde, in Echtzeit zu konsumieren

Als Verbraucher kann man sich merken, dass Streaming im Kontext des Internet-TVs und somit dieses Artikels immer bedeutet, (Bewegt-)Bild und/oder Ton im digitalen Format zu konsumieren, ohne dass man dafür einen Film, ein Lied oder eine Serienfolge zuvor in Gänze herunterladen müsste.

Dabei gilt dieser Begriff sowohl für normal ausgestrahlte Sendungen, das wäre Live-Streaming, wie er sich für das Anschauen von zeitunabhängig angebotenen Medien eingebürgert hat, das On-Demand-Streaming – Streaming auf Abruf.

Allerdings muss man sich, obwohl es diese beiden Begriffe gibt, gedanklich von dem vom normalen Fernsehen bekannten Unterschied zwischen „Ausgestrahlt in Echtzeit“ und „Aufgezeichnet“ verabschieden. Beim Streaming verschwimmen diese Grenzen.

Die großen Vorteile

Beide Streaming-Formen eint dabei, dass sie gegenüber klassischen Medienformaten einige massive Vorteile ins Feld führen können:

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Der größte Vorteil von Streaming ist die Unabhängigkeit vom Endgerät. Solange die Internetverbindung steht, kann man überall schauen.

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/georgejmclittle


→ Es entkoppelt das Fernsehen vom Ort. Solange eine      hinreichende WLAN- oder Mobilverbindung vorhanden ist, kann an beliebigen Orten geschaut werden.
→ Es entkoppelt das Fernsehen vom Gerät. Man kann eine Sendung auf dem Smartphone beginnen, pausieren und dann auf PC, Tablet oder Fernseher nahtlos weiterschauen.
→ Die Inhalte können (fast) völlig frei abgerufen und zusammengestellt werden. Über die zu den Streamingdiensten zugehörigen Medien-Bibliotheken hat man jederzeit Zugriff, auch bei regulären Fernsehsendern sind diese oft noch eine gewisse Zeit nach der Ausstrahlung abrufbar.
→ Auch in Live-Übertragungen ist es jederzeit möglich, anzuhalten, zurückzuspulen und dann direkt wieder zur Echtzeit zu springen.
→ Die digitalisierte Signalverarbeitung ermöglicht zusätzliche Inhalte. Etwa das unkomplizierte Wechseln der Sprachausgabe, von Untertiteln, zusätzlichen Informationen usw.

Streaming ist für den Verbraucher letztendlich die große Freiheit. Er kann sich, wenn er die Inhalte eines regulären TV-Senders streamt, an das vorgegebene Programm halten. Dort, aber vor allem bei den dedizierten Streaming-Anbietern, hat er jedoch auch die Alternative, sich ein ganz auf ihn zugeschnittenes „Wunschkonzert“ zu kreieren, das dann läuft, wenn er es möchte.

Die Limitierungen

Streaming bietet sehr viel Freiheit. Allerdings kommt diese zu einem gewissen und teilweise nicht nur sprichwörtlichen Preis:

→ Es reicht nicht „irgendeine“ Internetverbindung. Für normale HD-Bildqualität braucht es je nach Anbieter zwischen 3,5 und 9 Mbit/s. Darunter wird zwar auch übertragen, aber die Bildqualität sinkt stark ab und es kann zu Verzögerungen bei der Wiedergabe kommen.
→ Auf dem Markt tummelt sich eine Vielzahl von Anbietern (siehe letztes Kapitel), deren Angebote teils werbe-, teils abofinanziert sind und die sich sowohl teilweise überschneiden wie einzigartig sie sind.
→ Es ist teilweise nicht möglich, einfach nur mit einem Tastendruck den Sender zu wechseln. Zumindest Anbieter-übergreifend muss man dazu häufig aus der App des einen Anbieters/TV-Senders herausgehen und die andere starten.
→ Es ist für die Ausstrahlenden enorm einfach, bestimmte Funktionen für den Verbraucher zu sperren. Das betrifft vor allem das Aufnehmen/Abspeichern von Inhalten, um sie offline zu konsumieren, kann sich aber auch auf simples Vorspulen bei Werbeunterbrechungen erstrecken.

Als Verbraucher kann man sich hier merken, dass die Freiheit sich in der Praxis oft komplizierter darstellt als beim klassischen Fernsehen.

Es ist definitiv notwendig, sich zuvor einzulesen und genau zu eruieren, was man für sich möchte – vor allem, um nicht unnötig Geld auszugeben.

So kommt das Signal aufs Gerät

Man hat eine ausreichend schnelle WLAN-Verbindung und möchte nun via Internet die Tagesschau ansehen. Die einfachste Ausgangs-Konstellation. Doch welche Streaming-Optionen hat man dafür?

Variante A: Man besitzt ein Smart-TV, welches direkt mit dem Internet verbunden ist. Dann installiert man dort entweder die App oder startet die App eines TV-Streaming-Anbieters.

Variante B: Man besitzt einen normalen Fernseher, aber ein HDMI-Dongle, besser bekannt als Streaming-Stick. Das ist ein kleiner Computer, der mit dem WLAN verbunden wird und den Fernseher smart macht. Auch darauf installiert man nun die App und startet sie.

Variante C: Man zückt sein Smartphone bzw. Tablet. Dort installiert man darauf besagte App und schaut die Tagesschau direkt am Gerät oder aber eröffnet seinen eigenen Stream und sendet die Signale ans Smart-TV oder den HDMI-Dongle. (Optionen für iPhones siehe Grafik).

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Während es mit dem herstellerübergreifend verwendeten (Google-) Betriebssystem Android relativ einfach ist, Medien auf einen Fernseher zu streamen, ist dies mit dem Apple-eigenen System, zu dem auch das iPhone gehört, deutlich kniffliger. 

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Quelle:

Variante D: Man öffnet wahlweise auf Smart-TV, Dongle oder Smartphone/Tablet den Browser und begibt sich direkt auf die Seite der Tagesschau.

Man hat also immer die Wahl, entweder über eine App auf den Inhalt zuzugreifen oder den Browser. Und über Dongles kann man Internet-TV sogar an Geräten nutzen, die zu alt für eigene Internetanbindungen sind.

Die große Qual der Anbieterwahl

Es gibt, wenn man alle TV-Sender und dedizierten Streaming-Anbieter zusammenrechnet, allein in Deutschland mehrere dutzend verschiedene Dienste, auf die man setzen kann.

  

Zudem ist der Markt von hoher Fluktuation geprägt. Das heißt, es kommen in recht kurzen Abständen wieder neue Dienste hinzu. Primär kann man alle grob einteilen in:

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Bei den Öffentlich-Rechtlichen inkludieren die Rundfunkbeiträge auch die Nutzung der Streaming-Angebote. 

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/Lothar Drechsel

1. Direktstreaming der normalen Fernsehsender. Immer als Live-Stream vorhanden, größtenteils auch on Demand mit Mediathek. 

2. Übergeordnete Fernseh-Streamingdienste. Diese fassen mehrere TV-Sender und Spartenkanäle unter einem Dach zusammen und ermöglichen das Anschauen ähnlich wie beim klassischen TV. 

3. Reine On-Demand-Dienste. Sie haben kein eigenes Programm, dafür aber eine Mediathek mit großer Auswahl an (teilweise eigenproduzierten) Filmen und Serien. 

4. Sport-Streaming-Dienste. Hier dreht sich alles nur um Fußball und Co. Mittlerweile ein Modell mit vielen Exklusivrechten gegenüber dem klassischen Fernsehen. 

5. Provider-Dienste. Ein Zwischending zwischen den übergeordneten Fernseh-Streamingdiensten und On-Demand-Anbietern, das direkt von Internet- bzw. Mobilfunkprovidern angeboten wird. 

6. Reines Musikstreaming. Plattformen, die das Abspielen festgelegter oder frei erstellbarer Musik-Playlists ermöglichen.

Hier muss man bereits die Augen offenhalten, vor allem, wenn es um Abo-basierende Dienste geht, damit man kein Geld für doppelte Inhalte bezahlt.

Doch was sind die Paradebeispiele für welche Sparte? Und was kosten sie mindestens monatlich?

1. Die jeweiligen Apps der Free-TV Fernsehsender von A bis Z. Sie sind in aller Regel kostenlos und an keine weiteren Vorgaben gebunden. Im Falle der Öffentlich-Rechtlichen Sender ist das auch durch die zuletzt höchstrichterlich bestätigte GEZ inkludiert.

2. Hier sind die wichtigsten Anbieter in Deutschland Zattoo, waipu.tv und TV Spielfilm live. Die beiden erstgenannten Stationen sind kostenlos, bei letzterer zahlt man monatlich 9,99 Euro. Ferner gehört dazu auch 7TV, diese (werbefinanzierte) Station beschränkt sich allerdings auf das Angebot der ProSiebenSat.1 Media SE.

3. Bei den On-Demand-Anbietern gilt Netflix als Platzhirsch. Das Basis-Abo beginnt bei 7,99 Euro monatlich. Ebenfalls beliebt ist Amazon Prime. Dies kostet 69 Euro jährlich, allerdings sind dafür auch u.a. Versandvorteile beim regulären Amazon-Kauf inkludiert. Ebenfalls stark vertreten sind Sky Ticket Entertainment (9,99€) und maxdome (7,99 €)

4. Beim Sport und insbesondere dem Fußball machen nur wenige Anbieter in Deutschland die Sache unter sich aus. Generell sind Sky (29,99) und DAZN (9,99 €) die beiden wichtigsten Anbieter. Für die Champions League , Erste und zweite Bundesliga laufen aber (noch) vornehmlich nur bei Sky; bei DAZN indes gibt es auch viel ausländischen Sport zu sehen. Dritter im Bunde ist der Eurosport Player (4,99 €).

5. Unter den Providern ist die Telekom mit MagentaTV der derzeit wichtigste Anbieter. Hier kostet das Paket monatlich 19,95 Euro, zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit Sky.

6. Beim Musikstreaming gibt es ebenfalls viele Direktangebote von Radiosendern. Dazu auch von denen Spotify (kostenlose Basisvariante) Apple Music (10 €) und Deezer (kostenlose Basisvariante) die derzeit größten darstellen – allerdings kam jüngst YouTube Music hinzu, das den Markt für 9,99 Euro monatlich neu mischen möchte.

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Wer unterwegs streamen möchte, sollte dazu mit kostenlosen Diensten zunächst herausfinden, wie viel Datenvolumen er dafür benötigt.

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/Robert Kneschke

Doch womit anfangen? Für Menschen, die noch gar keine Erfahrung mit dem Thema Streaming haben, sollte es beim Direktstreaming oder den übergeordneten Fernsehdiensten beginnen, da diese kostenlos sind.

Dies ist vor allem für Menschen ratsam, die vor allem mobil fernsehen möchten. Denn je nach Anbieter liegt der Datenverbrauch pro Stunde zwischen 500 und 1500 Megabyte, falls man durchgängig in HD streamt.

Bedeutet, mit den kostenlosen Anbietern kann man zunächst herausfinden, wie viel man überhaupt schaut, damit man das Datenvolumen seines Mobilfunkvertrages entsprechend anpassen kann. Zudem sollte man sich bei seinem Provider informieren, ob es Streaming-Sonderangebote gibt.

Seit einiger Zeit existieren nämlich Modelle, bei denen für das Nutzen bestimmter Partner-Streamingdienste kein Datenvolumen abgezogen wird. Doch gilt auch hier: Das Angebot ändert sich sehr schnell, weshalb man direkt nachfragen muss und kaum Pauschalaussagen möglich sind.


Fazit

Streaming ist davon geprägt, dass es Fernsehen und Musikhören ebenso frei macht wie alle anderen Inhalte des Internets.
Allerdings gibt es nur wenige andere Dienste, bei denen man so genau prüfen muss, was man wirklich benötigt. Denn so vielfältig wie das Angebot mittlerweile ist, so schnell hat man auch ein Abo abgeschlossen, das man vielleicht gar nicht benötigt.