24.03.2019
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Wenig Prosa, mehr Fakten : Ein Bautagebuch führen

Bei jedem Termin auf einer Baustelle sollte auch das Bautagebuch fortgeschrieben werden.

Bei jedem Termin auf einer Baustelle sollte auch das Bautagebuch fortgeschrieben werden.

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Kai Remmers/dpa-mag

Auf einer Baustelle passiert ständig etwas Neues. Kaum steht der Rohbau, geben sich die Gewerke des Innenausbaus die Klinke in die Hand. Sie verlegen Leitungen und Rohre, diese verschwinden unter Putz- oder Estrichschichten. Um den Überblick zu behalten und später die Erinnerung aufzufrischen, ist ein Bautagebuch sinnvoll. Und es ist wichtig, falls Mängel auftreten.

Was ist ein Bautagebuch?

Der Begriff ist nicht klar definiert, der Zweck ist es schon: Es soll den Bauablauf dokumentieren. Überwacht ein Architekt den Bau, muss er diese Leistung im Rahmen der Objektüberwachung erbringen. „Wer als Bauleiter kein Bautagebuch führt, dem drohen Honorarkürzungen“, sagt die Architektin Friederike Proff von der Architektenkammer NRW. Auch Baufirmen führen Bautagebücher, um zum Beispiel den Stundenaufwand ihrer Mitarbeiter festzuhalten. Bei einem Projekt kann es also mehrere Exemplare gleichzeitig geben.

Ist das Bautagebuch rechtsverbindlich?

„Nein, es ist kein amtliches Dokument, hat aber durchaus eine rechtliche Bedeutung“, erklärt Johannes Jochem, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein. Ein gut geführtes Bautagebuch bietet die Möglichkeit zu kontrollieren, ob Zeitpläne und Qualitätsstandards eingehalten wurden. So kann man später in der Gewährleistungsphase leichter Ursachen und Verursacher eventueller Mängel herausfinden - ohne Bauteilöffnung. „Kurzum: Es kann im Streitfall Beweise erleichtern.“

Was sollte inhaltlich rein?

Auch dafür gibt es keine Vorschrift, aber Erfahrungswerte. Ein Bautagebuch sollte die wesentlichen Ereignisse auf der Baustelle erfassen, erklärt Proff. Nicht jeder Handschlag, aber wichtige Daten wie Bauabläufe, beteiligte Firmen, Anzahl der Mitarbeiter, Angaben zum Wetter und besondere Vorkommnisse sollten vorkommen. Architekten sollten auch alle Entscheidungen auf Baustellenbesprechungen festhalten. „Diese Eintragungen sollten möglichst von allen Beteiligten unterschrieben werden.“

„Es kommt auf die Kontinuität an“, erläutert Marc Ellinger, Leiter des Regionalbüros Freiburg-Südbaden im Verband Privater Bauherren: Der Bauherr sollte nach jedem Besuch der Baustelle aufschreiben, was passiert ist - oder eben nicht passiert ist. Auch wenn es keine Tätigkeit auf der Baustelle gab, sollte er dies notieren.

Sind Form und Inhalt vorgegeben?

Grundsätzlich steht es den Verfassern frei, was sie notieren und in welcher Form sie das Bautagebuch gestalten. Manche Bauherren stellen einfach ein buntes Fotoalbum für Familienangehörige zusammen. „Damit die Prozesse aber auch für Außenstehende und im Notfall sogar vor Gericht gut nachvollziehbar sind, sollte das Bautagebuch systematisch aufgebaut sein“, rät Ellinger.

Es gilt also jeden Termin auf der Baustelle nach demselben Schema zu protokollieren. Dazu gehören zum Beispiel Datum, Uhrzeit und beteiligte Personen. Fotos sind auch gut.

Ein Architekt muss den Bauablauf dokumentieren. „Wie er das macht, ist zunächst seine Sache. Er kann Notizen und Fotos machen oder auch Besprechungsprotokolle sammeln“, stellt Jochem klar. Anders sieht es aus, wenn beim Architektenvertrag ein Pflichtenheft beigefügt ist: „Darin können alle Details vorgegeben sein. Hält der Architekt sich nicht an die vereinbarten Angaben, drohen ihm Honorarkürzungen.“(dpa/mag)