19.06.2019
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VfL Gummersbach steigt ab: Die Ära im Oberhaus geht nach 53 Jahren zu Ende

Pouya Norouzi zeigt seine Fassungslosigkeit - seine sechs Treffer waren zu wenig für den Verbleib in der 1. Liga.

Pouya Norouzi zeigt seine Fassungslosigkeit - seine sechs Treffer waren zu wenig für den Verbleib in der 1. Liga.

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Gunter Hübner

Gummersbach -

(gh) Der VfL Gummersbach hat Handballgeschichte geschrieben und durfte sich über lange Jahre weltbeste Mannschaft nennen, denn zwölf Deutsche Meistertitel, fünf DHB-Pokalsiege und dreizehn Erfolge in europäischen Wettbewerben, darunter fünf im Europapokal der Landesmeister und vier im Europapokal der Pokalsieger, sprechen eine deutliche Sprache.

Nach 53 Jahren ist am Pfingstsonntag diese ruhmreiche Ära zu Ende gegangen. Die Blau-Weißen müssen in die 2. Liga.

Dramatik pur

Der letzte Spieltag der Handballbundesliga-Saison hätte dramatischer nicht sein können. Während sich die SG Flensburg-Handewitt mit zwei Zählern Vorsprung vor dem THW Kiel erneut zum Deutschen Meister kürte, musste der VfL Gummersbach bei der punktgleichen SG BBM Bietigheim antreten und auf einen Sieg hoffen, um dem drohenden Abstieg von der Schippe zu springen. Auch bei einem Unentschieden wäre die Klasse erhalten, wenn gleichzeitig die Eulen Ludwigshafen nicht gegen den TSV Minden punkten.

So war in der mit 4.517 Zuschauern ausverkauften Bietigheimer ErgeTrans-Arena ein harter Kampf zu erwarten. Über 400 VfL-Fans waren mitgereist, um ihre Mannschaft um Cheftrainer Torge Greve nach vorne zu peitschen. So entstand von Beginn an ein Spiel auf Messers Schneide, von der schon vier gelbe Karten in den ersten sieben Minuten zeugen.

Überraschend hatte Torge Greve den Langzeitverletzten und in der Saison schmerzlich vermissten Drago Vukovic aufgeboten, bei den Bietigheimern war Michael Kraus wieder an Bord.

Ein Spiel auf Augenhöhe entwickelte sich, in dem sich beide Teams keine allzu großen Blößen gaben. So stand es nach zwölf Minuten auch erst 1:3 aus Gummersbacher Sicht. Den Ausgleich zum 6:6 schafften die Blau-Weißen in der 19. Minute, mussten aber den Gastgeber immer wieder ziehen lassen. So ging es mit einem 14:13 für die Württemberger in die Pause.

Danach konnten die Schwaben drei Tore in Folge markieren und setzten sich mit 17:13 in der 34. Minute erstmals ab. Doch die VfLer hielten dagegen und Stanislav Zhukov markierte in der 53. Minute den Ausgleich zum 22:22.

Gummersbach geht in Führung

Nur wenige Sekunden später gingen die Oberberger durch ein Tor von Pouya Norouzi erstmals in Führung (22:23) und zumindest die VfL-Fans standen Kopf. Aber die Bietigheimer gaben nicht nach und konnten so noch ein 25:25 ins Ziel retten.

Nun war Hoffen und Bangen angesagt, stand die Partie zwischen den Eulen Ludwigshafen und dem TSV Minden ebenfalls Spitz auf Knopf. Den Eulen gelang die Überraschung - sie bezwangen in eigener Halle den Gast mit 31:30. Damit war der Abstieg aus dem Oberhaus für die Gummersbacher und die Bietigheimer besiegelt, denn sowohl die Kreisstädter als auch die Bietigheimer und die Eulen beenden die Saison mit 14:54 Punkten, aber die Eulen haben letztendlich einen Treffer mehr als der VfL auf dem Habenkonto.

2. Liga

Nun führt der bittere Weg die „Heimat des Handballs“ eine Etage tiefer und statt nach Berlin, Kiel oder Stuttgart geht es nach Aue, Hagen und Dormagen, denn lediglich sechs Siege und zwei Remis sind nach 34 Spieltagen zu wenig für die Beletage des Handballs.

Für Gummersbach und Bietigheim werden in der Saison 2019/20 HBW Balingen-Weilstetten und HSG Nordhorn-Lingen auflaufen. Neben diesem bitteren Aus für den Traditionsclub kam noch die Erkärung von Kapitän Drago Vukovic, dass er seine lange Karriere mit sofortiger Wirkung beendet.

Geschäftsführer Christoph Schindler hielt nach dem Spiel konsterniert fest: „Ich kann nichts sagen. Gerade herrscht völlig Leere in mir“. Eine Leere die wohl die gesamte VfL-Familie, nicht nur in der Oberbergischen Region, erfasst.